Farm to Fork: Ein nachhaltiges Lebensmittelsystem für ganz Europa

Das Europaparlament hat heute seine Entschließung zur „Vom Hof auf den Tisch-Strategie“ („Farm to Fork-Strategie“) angenommen. Dazu erklärt Christine Schneider (CDU), Berichterstatterin der EVP-Fraktion und Mitglied im Umweltausschuss:

„Diese Strategie ist eine Chance, die europäische Lebensmittelkette nachhaltiger zu gestalten. Sie wird von jedem Beteiligten der Lebensmittelkette, also von der landwirtschaftlichen Urproduktion, über Verpackung und Transport bis zum Konsumenten viel abverlangen. Der Verbraucher spielt dabei eine Schlüsselrolle, denn die Lebensmittelversorgung ist ein Kreislauf, den wir mit unserem Einkauf- und Konsumverhalten gestalten.

 

Als Gesetzgeber müssen wir die Voraussetzung schaffen, damit Verbraucher sich für eine gesunde, ausgewogene und nachhaltige Ernährung und Lebensweise entscheiden können. Beim Einkauf eines Lebensmittels darf nicht allein der Preis entscheidend sein, sondern das Produkt selber. Daher müssen wir unsere Lebensmittel so kennzeichnen, dass die wichtigen Informationen über die Nährstoffzusammensetzung, die Herkunft, das Tierwohl und auch der Aspekt der Nachhaltigkeit schnell und einfach verständlich sind.

Für mich besteht die größte Herausforderung darin festzulegen, welche Informationen wirklich wichtig und essentiell sind. Das gilt vor allem für das Nachhaltigkeits-Label: dessen Berechnungsgrundlage muss wissenschaftlich fundiert sein und die Information muss eine Hilfestellung bei der Entscheidung für oder gegen ein Produkt geben. Während Verbraucherinnen und Verbraucher sich in Umfragen stets für nachhaltig erzeugte Produkte aussprechen, wird dies bislang noch zu wenig vom wahren Kaufverhalten bestätigt. Das müssen wir ändern. Denn wir alle entscheiden gemeinsam, ob der Wandel zur Nachhaltigkeit in der Lebensmittelkette ein Erfolg wird.

 

Diese Strategie ist auch eine Chance für unsere Landwirtschaft, die den wichtigsten Beitrag für eine sichere und nachhaltige Lebensmittelversorgung in Europa leistet. Der angestoßene Wandel darf deshalb nicht auf dem Rücken unserer Landwirtschaft ausgetragen werden, sondern muss die Landwirte einbeziehen. Wir dürfen unsere sichere Lebensmittelversorgung in Europa, von der Landwirte gut leben können, nicht aufs Spiel setzen.

Zwingend dafür sind gründliche Gesetzesfolgenabschätzungen. Ebenso zwingend ist, dass die Berechnungsmethoden und die Ausgangsbasis für jedes Ziel erläutert werden und die kombinierten Auswirkungen verschiedener Ziele dabei ebenfalls Berücksichtigung finden. Als EVP-Fraktion haben wir erreicht, dass diese Strategie keine Verbotsstrategie geworden ist, sondern dass Anreize gesetzt werden, die an jedem Glied der Lebensmittelversorgungskette greifen.

 

Leider wurde seitens des Vizepräsidenten der Europäischen Kommission, Frans Timmermans, viel Vertrauen verspielt. Während im Parlament fraktionsübergreifend auf dasselbe Ziel hingearbeitet wurde, hat Timmermanns dem Parlament wichtige Informationen vorenthalten indem er ein Studie, die bereits seit Anfang des Jahres vorlag und wichtige Szenarien der Strategie untersucht, dem EP nicht für die Beratungen zur Verfügung gestellt und stattdessen en passant im Sommer veröffentlicht. Dies ist respektlos gegenüber dem Europäischen Parlament als Mitgesetzgeber und allen anderen Beteiligten. Wir fordern deshalb eine Untersuchung, warum die Studie, die wichtige Erkenntnisse liefert, so spät veröffentlicht wurde.

 

Die eigentliche Arbeit liegt jetzt vor uns, denn diese Strategie ist nur der Anfang.“